Wärmepumpe holt wieder auf


Energetische Modernisiserung, Energieeffizienz, Energiepreise

Laut aktuellen Zahlen der AG Energiebilanzen hat es im Wettlauf der Heizsysteme für Neubauten im laufenden Jahr eine Trendwende gegeben. Von Januar bis August 2016 waren von den neu installierten Heizungsanlagen in Wohnungen 46,3 Prozent Gasheizungen, was einen spürbaren Rückgang gegenüber dem Vorjahr (49,9 Prozent) darstellt. Es ist zudem der niedrigste Anteil seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten. Noch im Jahr 2000 lag der Anteil der Gasheizungen bei Neubauten bei 76,7 Prozent.

Dafür legten die Alternativen zu. Der Anteil der Fernwärmeanschlüsse bei neuen Wohnungen erreichte mit 21,9 Prozent den höchsten Anteil seit vielen Jahren. Die Wärmepumpe holte wieder auf und lag bei 23,3 Prozent. Deren Tief der vergangenen Jahre scheint damit überwunden zu sein. 2015 wurden in Deutschland nur 57.000 Heizungswärmepumpen verkauft, weniger als in den Vorjahren. Den Rest machten vor allem Pelletskessel aus.

Diese Trendwende ist auf den ersten Blick überraschend, denn die Verbraucherpreise für Erdgas sinken und sinken. Sie liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit über fünf Jahren. Bei Neuverträgen kostet die kWh Erdgas laut Verivox-Vergleichsportal inzwischen nur noch 4 bis 5 Cent. Als Fernwärme kostet die kWh meist zwischen 8 und 10 Cents, je nach Versorger. Strom zum Betrieb der Wärmepumpe kostet sogar 19 bis 21 Cents je kWh. Bei einem Preis von 20 und einer angenommenen Jahresarbeitszahl von 4 bedeutet das einen effektiven Verbrauchspreis von 20/4, also 5 Cents je kWh.

Das reicht natürlich nicht. Der Vollkostenvergleich (laut VDI 2067) berücksichtigt alle Kapitalkosten und Wartungskosten, also vor allem die Kosten für Kauf und Installation der Heizung. Laut Fernwärmeverband AGFW lagen die so umgerechneten Vollkosten aktuell immer noch bei etwa 7,4 Cents für Erdgas, 7,8 Cents bei Fernwärme und 8,7 Cents bei der Wärmepumpe (Werte aus Grafik abgelesen). Auch das erklärt also den Umschwung nicht.

Tatsächlich dürfte der Grund für die besseren Verkaufszahlen der Wärmepumpe in ihrer massiven Förderung liegen. Die Bunderegierung unterstützt durch das Marktanreizprogramm den Einbau von Wärmepumpen mit bis zu mehreren Tausend Euro. Ein solcher Zuschuss verändert die Kalkulation natürlich völlig.