Öko-Strom: zum Wegwerfen zu schade


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Eine Zentralheizung mit einem Tauchsieder beheizen – scheint eine absurde Idee. Strom, das weiß jedes Kind, ist zum Heizen eigentlich zu schade. Doch in einem Feldversuch hat sich nun gezeigt: Es kann sinnvoll sein.

Denn Strom ist auch zum Wegwerfen zu schade. An Tagen mit starkem Wind, wo die derzeit 26.000 Windkraftanlagen mit ihren 42 GW Leistung großteils ausgelastet sind, wissen die Netzbetreiber gar nicht, wohin mit dem ganzen Strom. Dann wird „abgeregelt“. Der Strom wird quasi weggeworfen. Und dafür bekommen die Windkraftbetreiber sogar noch eine Art Entschädigung. Vergangenes Jahr waren das immerhin geschätzt rund 300 Mio. €. Bezahlt von den Stromverbrauchern. Muss das sein?

Das ginge auch anders, dachte sich die Ölheizungslobby IWO. In einem Feldversuch  wurden Haushalte mit Ölheizung angefragt, sich einen elektrischen Heizstab in den Warmwasserkreislauf einbauen zu lassen. Dieser Heizstab lässt sich per Mobilfunk fernsteuern und geht an, wenn „zu viel Strom im Netz“ ist – in der Regel also bei starkem Wind. Und der Ölkessel würde etwas „grüner“, weil er mit Ökostrom quasi veredelt würde. Eine neue Chance für den guten alten Ölkessel?

Jeder der Heizstäbe war mit 9 kW zwar nur ein kleiner Verbraucher, in der Masse aber groß genug, um einen relevanten Verbrauch darzustellen. So konnten sie so genannte Regelleistung zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen und wurden dafür auch bezahlt.

Gute Sache eigentlich. Es ist genau das, was die Bundesregierung möchte. Im Koalitionsvertrag steht: „Strom, der sonst abgeregelt werden müsste, (sollte)  für weitere Anwednungen, etwa im Wärmebereich“ genutzt werden.

Technisch und finanziell hat das alles funktioniert, wie IWO-Projektleiter Simon Jastrzab  auf den Berliner Energietagen im April 2016 erklärte. Auf der IWO-Website stehen weitere Details. Die Kosten für den Einbau lagen in etwa bei 2000 €, so Jastrzab. Die Erlöse aus der Regelenergie plus eingespartem Heizöl lagen dafür im vergangenen Jahr bei 188 €. Nach 14 Jahren hätte sich das Projekt also amortisiert (bei 4 Prozent Diskontierung). Das gälte bei konstanten Brennstoffkosten. Nicht gerade super-profitabel, aber immerhin. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut HWWI hat mit etwas anderen Zahlen gerechnet und kommt auf Amortisationszeiten zwischen 19 und bestenfalls neun Jahren, letztere bei steigenden Brennstoffkosten.

Auch der Grundstücksnutzerverband VDGN interessiert sich für das Thema und hat Herrn Jastrzab auf einer Veranstaltung Ende April davon erzählen lassen. Der Verband sieht eine Chance für Eigenheimer und fordert daher, den Strompreis für solche Anlagen von Steuern und Abgaben zu entlasten. Erst dann lohnt sich der flexible Einsatz von Strom erst wirklich. Ob sich diese Lösung, im Grunde einfache Tauchsieder, allerdings wirklich als Massenlösung etablieren kann  (und sollte), erscheint dann doch fraglich. Allenfalls als Übergangslösung vielleicht.

Die Sache hat ohnehin einen Haken: Keiner kann sagen, wie sich die Erlöse auf den Regelenergiemärkten in Zukunft entwickeln. Inzwischen sind einige Stadtwerke in dieses Power-to Heat-Geschäft (P2H) eingestiegen, in der Hoffnung, dass sich das irgendwann mal lohnt. Diese Anlagen sind bis zu 1000 mal gößer und erreichen bis zu 10 MW Leistung. Solche Regelenergie-Anbieter drücken natürlich den Preis. Für normale Häuslebauer ist ein solche Investition vermutlich viel zu unsicher und der Nutzen fürs Klima in Form von etwas eingespartem CO2 dann doch nur begrenzt.