Hypothetisches Energiesparen bei Eurostat


Energieeffizienz, Energiestatistik

Das EU-Statistikamt Eurostat hat vergangene Woche aktualisierte Zahlen zum Energiesparen in der EU veröffentlicht. Zur Erinnerung: Die Europäische Union hat sich in der Energieeffizienzrichtlinie von 2012 (2012/27/EU) zu einem Energieeffizienzziel von 20 % bis 2020 verpflichtet. Eurostat berichtet nun: We are on track: Von minus 20 % sind beim Endenergieverbrauch 2014 schon 16,9 % seit 2005 erreicht, also sozusagen mehr als drei Viertel „des Weges“. Aber wer glaubt, der Endenergieverbrauch sei entsprechend gesunken, irrt sich. Dieser soll auch gar nicht um 20 % sinken. Vielmehr soll er um 20 % unter einer hypothetischen Projektion liegen, die unter „business as usual“-Annahmen errechnet wurde.

Das ist ein Szenario mit einem unterstellten Energieverbrauch, der sonst anfallen würde, wenn nicht gespart würde. Das ist natürlich eine seltsame Argumentation. Welche Bedingungen würden denn in einer solchen kontrafaktischen Welt herrschen?

Ein paar Minuten herumgerechnet ergibt sich, dass Eurostat (bzw. die EU-Kommission) für diese Projektion ein hypothetisches Wachstum des Energieverbrauchs von 0,5 % pro Jahr beim Primärenergieverbrauch und 0,8 % pro Jahr beim Endenergieverbrauch ansetzt. Von dem Wert, der bei diesem unterstellten Wachstum bis 2020 erreicht wäre, wurden dann 20 % abgezogen, und das ist nun das Ziel. Woher kommen diese unterstellten Wachstumszahlen für den Energieverbrauch? Faktisch hat sich die EU damit deutlich niedrigere Energiesparziele für 2020 gesetzt: minus 10 % beim Endenergieverbrauch und minus 14 % beim Primärenergieverbrauch (jeweils gegenüber 2005). Dank der Szenario-Rechnung sind die Energieeffizienzziele erreichbar. Ohne sie wohl nicht.